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Sprachtherapie
(Logopädie)
Aphasie durch Sprachtherapie behandeln
Aus heiterem Himmel trifft ein Schlaganfall sein Opfer. Eine feine Ader
im Gehirn setzt sich zu, Hirnregionen werden nicht mehr versorgt und sterben
ab. Werden dabei die Sprachzentren der linken Hirnhälfte beschädigt,
so kann der Patient nicht mehr richtig sprechen: Aphasie lautet dann die
Diagnose.
Die Angehörigen
wissen oft nicht, wie sie mit dem Patienten umgehen sollen, bringen ihm
Kinderbücher oder behandeln ihn wie einen geistig Behinderten. Eine
furchtbare Erfahrung für beide Seiten. Und ein Missverständnis,
denn die kognitive Leistungsfähigkeit ist im Allgemeinen nicht beeinträchtigt
Aphasie wird am häufigsten durch Schlaganfall verursacht, aber auch
ein Hirn-Tumor kann die Sprachzentren beschädigen. Im Durchschnitt
sind die Patienten, die zum Potsdamer Zentrum für angewandte Patholinguistik
kommen, erst fünfzig Jahre alt.
Schnelle
Therapie
Schon
kurz nach dem Schlaganfall sollten die ersten sprachlichen Übungen
beginnen, und nach vier bis sechs Wochen kann die gezielte Therapie einsetzen.
Gelegentlich wird eine Aphasie jedoch noch von einer Störung in der
Planung der Sprechvorgänge überlagert, und das echte Bild der
Aphasie kommt erst zum Vorschein, nachdem die Sprechapraxie gemildert
wurde. Deshalb zeigen sich manche Verbesserungen erst nach einem Jahr.
In vielen
Akutkrankenhäusern und in fast allen neurologischen Reha-Kliniken
gehört die Sprachtherapie (Logopädie) zum Standardangebot und
die sprachtherapeutische Versorgung erfolgt quasi automatisch. Sollte
dies nicht der Fall sein, sollte man auf jeden Fall nachfragen. Meist
kann man in Einrichtungen, die selbst keine Therapeuten angestellt haben,
auch von außen Fachkräfte hinzuziehen.
Zu Hause besteht die Möglichkeit der ambulanten Sprachtherapie, die
in logopädischen Praxen oder Ambulanzen erfolgt. Voraussetzung für
die Sprachtherapie ist die sog. Heilmittelverordnung (=Rezept) durch den
behandelnden Neurologen oder Hausarzt.
Um die richtige Therapie zu finden, ist es notwendig, die genauen Merkmale
der Sprachstörung festzustellen. Denn nur dann kann die richtige
Therapie gefunden werden. Die Sprachtherapie hat zum Ziel, die sprachlichen
und kommunikativen Fertigkeiten der Betroffenen zu verbessern. Dies kann
auf dreierlei Weise passieren. Für jedes Vorgehen stehen den Therapeuten
unterschiedliche Vorgehensweisen und Übungsmaterialien zur Verfügung.
Ausschlaggebend
für die Art und den Verlauf der Therapie sind die Art der Aphasie,
der Schweregrad der Störung, die Zeitspanne seit Ausbruch der Aphasie
und die Persönlichkeit des Aphasikers. Diese Bedingungen müssen
die Therapeuten (Logopäden, Sprachtherapeuten, Linguisten) auf jeden
Fall immer berücksichtigen, um die Therapieinhalte individuell auf
den Aphasiker abstimmen zu können.
Eine der
wichtigsten Bedingungen in der Rehabilitation von Aphasikern ist, dass
die logopädische Therapie so früh wie möglich beginnen
muss. Der Erstkontakt zu dem Patienten sollte schon auf der Wachstation
(Stroke Unit) erfolgen, um dem Aphasiker das Gefühl von Vertrauen
und Zuwendung zu vermitteln, dass er nicht alleine ist. Inwieweit hier
erste Therapieschritte erfolgen können, hängt vom medizinischen
Zustand des Patienten ab.
Während des Aufenthaltes auf der Wachstation und der Normalstation
sollte der Aphasiker bestärkt, angeregt und leicht sprachlich gefordert
werden. Diese Phase wird Aktivierungsphase genannt. Die Aphasiker sollten
in dieser Phase so stimuliert werden, dass das Sprachverständnis
für alltägliche Situationen verbessert wird und er sollte zu
sprachlichen Äußerungen angeregt werden.
Nachdem sich der allgemeine Krankheitszustand des Patienten stabilisiert
hat und mit Hilfe von Diagnostikverfahren (z.B. Aachener-Aphasie-Test)
die Art der Aphasie genau spezifiziert wurde, kann gezielt an den Störungen
gearbeitet werden. Diesen Therapieabschnitt nennt man störungsspezifische
Übungsphase. Hier wird im Besonderen Wert auf die sprachwissenschaftlich
(linguistisch) fundierten Therapieverfahren gelegt, die alle Modalitäten
der Sprache (Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben) berücksichtigen.
Therapiemethoden der Reaktivierung, Reorganisation und Kompensation finden
hier ihren Einsatz. Reaktivierungsverfahren gehen davon aus, dass nicht
gestörte Modalitäten die betroffenen Modalitäten der Sprache
verbessern sollen. Bei den Reorganisationsverfahren ist davon auszugehen,
dass nicht betroffene Hirnbereiche die Funktionen der gestörten Hirnareale
teilweise übernehmen. Die Visual Action Therapy ist eine Therapiemethode
der Kompensation. Schwer betroffene Aphasiker lernen über Gestik
mit der Umwelt zu kommunizieren.
Die störungsspezifische
Übungsphase kann sich über zwei bis drei Jahre hinziehen und
geht in die sich anschließende Konsolidierungsphase über. Hier
gilt es, die erarbeiteten Therapieinhalte zu festigen und in den Alltag
zu integrieren. Dies geschieht oft durch häusliche Übungen oder
auch Kommunikationsgruppen. In diesen Gruppen werden z.B. mit Hilfe von
Rollenspielen, Alltagssituationen mit den betroffenen Aphasikern durchgeführt
(z.B. Einkaufen, Telefonieren, Besuch eines Restaurants).
In der letzten
Zeit hat der Computer auch Einzug in die logopädische Therapie gehalten.
Es gibt auch einige Selbsthilfegruppen, die mit Aphasikern in Einzel-
oder Gruppentreffen mit sprachunterstützenden Programmen arbeiten.
Doch sollte man an dieser Stelle betonen, dass der Sprachcomputer die
Therapie nur unterstützen kann, den Therapeuten aber nie ersetzen
wird.
Abschließend
sei zu sagen, dass die logopädische Rehabilitation eines Aphasikers
nie endet. Mehrere Studien haben nachgewiesen, dass es auch zehn Jahre
nach dem Ereignis (Schlaganfall, Hirnblutung, Schädel-Hirnverletzung
etc.) immer noch zu sprachlichen Verbesserungen kommt.
Die Rolle
der Angehörigen in der Sprachtherapie
Die Angehörigen sind wichtig für die Sprachtherapie. Denn erstens
bieten sie oft die Möglichkeiten dafür, dass die Betroffenen
überhaupt erst in die ambulante Therapie kommen können. Zweitens
sind die Angehörigen auch wichtige Gesprächspartner für
die Therapeuten. Drittens können nur sie der betroffenen Person ein
aphasiefreundliches Zuhause und einen kommunikationsoffenen
Alltag bieten.
Die Therapeuten haben die Möglichkeit zusätzlich zu den Tests,
die sie mit den Betroffenen durchführen, von Angehörigen wichtige
Angaben über die Kommunikation im Alltag zu erhalten. So kann die
Therapie bestmöglich für den Betroffenen gestaltet werden.
Eine Frage, die sich immer wieder stellt, ist das Üben mit den Betroffenen.
Hier gilt: Gezieltes Üben und Aphasietherapie gehören in die
Hände von Fachleuten. Die Therapeuten geben manchmal den Betroffenen
Hausaufgaben mit. Die Angehörigen sollten den Betroffenen
unterstützen, diese Aufgaben durchführen zu können, aber
keinesfalls die Aufgaben für den Betroffenen lösen.
Die wichtigste Aufgabe der Angehörigen ist, eine aphasiefreundliche
und kommunikationsoffene Umgebung zu schaffen. Dazu gehört auch,
dass man Gelegenheiten zum Gespräch anbietet und sich dafür
Zeit nimmt oder das Zusammentreffen mit Freunden und Bekannten organisiert.
Viele Aphasiker werden von Freunden, Bekannten oder Angehörigen gemieden.
Ein wichtiger Grund ist sicherlich, dass diese verunsichert sind und nicht
wissen, was Aphasie ist und wie man damit umgeht. Hier ist die Aufklärungsarbeit
eine sehr wichtige Unterstützung!

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