|

KINOFILM: Schmetterling und Taucherglocke
|
Das
Gewinnspiel ist beendet, die Gewinner werden benachrichtigt!
Je
1 Kinokarte gewonnen haben:
Kai-Uwe
vom Hofe (Syke)
Susanne
Möker (Hildesheim)
Nadine
Tirrmann (Wemding)
Angelika
Jeske (Lünen)
Anja
Wrobel (Güster)
Beate
Klöpping (Bochum)
|
Jean-
Dominique Bauby war französischer Journalist, Autor und Chefredakteur
des Magazins Elle und Vater von zwei Kindern. Ein Dandy, der gutes Essen,
Theater, Reisen und schöne Frauen liebte.
Dann, im Alter von 43 Jahren, am 8. Dezember 1995, erlitt Bauby einen
massiven Schlaganfall, durch den sein Hirnstamm geschädigt wurde.
Als er zwei Wochen danach im Krankenhaus von Berck-sur-Mer aus dem Koma
erwachte, war er nicht nur stumm, sondern auch ganzheitlich gelähmt.
Er konnte bloß seinen Kopf ein wenig bewegen und mit seinem linken
Augenlid blinzeln. Dieses seltene Phänomen wird als Locked-In-Syndrom
bezeichnet. Bauby schrieb über seine Erfahrungen, aber vor allem
über seine Phantasien, Wünsche und Träume. Er diktierte
28 Kapitel, Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort, über
mehrere Monate hinweg, allein mit dem Blinzeln seines linken Augenlids.
Dafür wurde ein spezielles Alphabet erstellt, welches die Buchstaben
nach ihrer Häufigkeit in der Französischen Sprache ordnete.
Bauby beschrieb nicht nur seine eigenen Reaktionen, sondern die Welt und
die Menschen seiner Umgebung und stellte sich vor, er sei ein Weltraumreisender.
In einem Interview mit der französischen Elle berichtete er, dass
er morgens um 4 Uhr aufwachte, um sich jeden Absatz des Buches zu überlegen
und auswendig zu lernen, den er dann
Buchstabe für Buchstabe drei Stunden lang diktierte.
In seinem Krankenhausbett im nordfranzösischen Berck-sur-Mer erzählte
er, dass es überwältigende Momente des Triumphs für ihn
waren, wenn er seine Gedanken für
das nächste Diktat erfolgreich gesammelt hatte, und dass er zu seinem
größten Bedauern nun nie mehr Fußballtorwart werden könne,
eine Leidenschaft, die das stundenlange Ansehen von Fußballübertragungen
im Fernsehen geweckt hatte. Sein Rezept zur Bewältigung von Augenblicken
der Verzweiflung bestand im Hinausschauen auf das Meer, einer Stunde
Lesen, dem Anschauen einer Kinderzeichnung meiner Tochter und darin, mich
selbst nicht als Held zu betrachten.
SCHMETTERLING
UND TAUCHERGLOCKE (Le Scaphandre et le Papillon)
erschien in Frankreich bei Les Éditions Robert Laffont am 6. März
1997; Bauby starb nur drei Tage später an einem Herzversagen. Ein
Teil der Einnahmen des Buches geht seiner Verfügung gemäß
an eine Stiftung für L.I.S.-Patienten. Jean- Dominque Baubys beeindruckende
Memoiren wurden in 30 Sprachen übersetzt und erreichten nicht nur
in Frankreich, sondern auch in Grossbritannien und den USA Bestsellerauflagen.
In Deutschland wurde das Buch 1998 publiziert und ist mittlerweile in
der 9. Auflage erhältlich.
Schauen
Sie sich die Filmvorschau an (Trailer): www.filmstarts.de
INTERVIEW
MIT DEM REGISSEUR JULIAN SCHNABEL
Ich glaube, dass wir mit Menschen besser umgehen können und
sollten
(Julian Schnabel)
Wie sind Sie mit dem Projekt in Berührung bekommen und was hat Sie
bewogen, Jean-Dominique Baubys Geschichte zu verfilmen?
Ich hatte einen sehr guten Freund namens Fred Hughes. Er arbeitete für
Andy
Warhol und managte die Andy Warhol Factory. Nach Andys Tod, wurde Fred,
der
seit langem Multiple Sklerose hatte, zunehmend kränker, bis er gezwungen
war, in
seinem Apartment in New York zu bleiben. Er lag wie Miss Havisham aus
Charles
Dickens Große Erwartungen in seinem Apartment
im Bett und ich besuchte ihn und
las ihm vor. Sein Pfleger, Darin McCormack, gab mir das Buch SCHMETTERLING
UND TAUCHERGLOCKE zum Vorlesen.
Eine weitere Motivation für den Film war der Zustand zwischen Leben
und Tod, den
das Buch thematisiert. Ausgelöst durch meinen alten Vater interessiert
mich das
sehr. Wir wohnten damals zusammen in meinem Atelier. Weihnachten musste
ich
meine Kinder in die Weihnachtsferien bringen und ich bat Darin McCormack
zu uns
zu kommen, weil wir meinen Vater nicht mitnehmen konnten. Als in dieser
Zeit das
Drehbuch von Kathy Kennedy zu SCHMETTERLING UND TAUCHERGLOCKE bei
mir eintraf, bekam mein Vater große Angst vor dem Tod. Leider ist
es mir nie
gelungen, ihm diese Angst zu nehmen.
Noch ein ganz anderer Umstand reizte mich, mich mit SCHMETTERLING UND
TAUCHERGLOCKE auseinanderzusetzen. Ich hatte ein Drehbuch für den
Film Das
Parfüm geschrieben, das ich niemals benutzt hatte. Bernd Eichinger,
der Mann, dem
die Rechte gehörten, wollte einen anderen Film machen als ich.
Wie haben Sie Mathieu Amalric für die Rolle des Jean-Dominique Bauby
entdeckt?
Zuerst sollte eigentlich Johnny Depp diesen Film mit mir machen, weil
wir gerne
zusammen arbeiten. Aber dann war er beschäftigt mit Der Fluch
der Karibik und so
klappte das nicht. Einige Jahre zuvor war ich Mitglied der Jury beim Filmfestival
in
San Sebastian und hatte dort einen Film von Olivier Assayas mit dem Titel
Das
Ende der Unschuld (Fin août, début septembre)
gesehen, in dem Amalric die
Hauptrolle spielte. Wir gaben damals Jeanne Balibar den Preis als Beste
Schauspielerin. Ich konnte Mathieu Amalric seitdem nicht mehr vergessen.
Als es
dann um SCHMETTERLING UND TAUCHERGLOCKE ging, dachte ich sofort an ihn
und erwähnte seinen Namen gegenüber Kathleen Kennedy, aber sie
kannte ihn bis
dato nicht. Doch als sie später Steven Spielbergs München
(Munich, 2005)
produzierte, sagte sie zu mir: Weißt du, ich habe diesen großartigen
französischen
Schauspieler getroffen. Mit dem könnten wir den Film auf Französisch
machen. Ich
sagte: Wie heißt er? Und sie antwortete: Mathieu
Amalric. Ich rief ihn an und er
kam sofort zu Thanksgiving und wir begannen das Drehbuch gemeinsam zu
lesen.
Wann haben Sie sich entschieden, den Film auf Französisch zu drehen?
Als ich mit Mathieu das erste Mal das Drehbuch las. Das war der Moment,
als ich
wusste, dass ich diesen Film nur auf Französisch machen durfte. Mein
Produzent
Jon Kilik war derselben Meinung wie ich. Ron Harwood lieferte ein großartiges
Drehbuch auf Englisch und das schrieb ich immer wieder mit den Schauspielern
während der Dreharbeiten um, weil ich auch immer mehr von Jean-Dos
Zeitgenossen und Freunden erfuhr wie Claude Medibil, Anne-Marie Perrier,
Bernard
Chapuis und anderen. Mein Französisch ist nicht perfekt, aber ich
kannte meinen
Text. Ich bin mit jedem Schauspieler Stück für Stück das
Drehbuch durchgegangen.
Szene für Szene und dabei fragte ich ständig: Was würdest
du in dieser oder jener
Situation sagen? Weil die Worte ja aus ihren Mündern kommen
sollten. Also schrieb
ich in gewisser Weise alles um. Und ich fand bei dieser Arbeit viel Neues.
Beispielsweise erzählte Claude Mendibil der Schauspielerin Anne Consigny,
dass
Jean-Do, als sie zum ersten Mal zu ihm kam, sagte: Pas de panique
(Keine
Panik!). Das erzählte mir Anne, als wir mit dieser Szene begannen.
Ich schlug vor,
dass wir das ins Drehbuch einfügten.
Haben Sie während der Dreharbeiten viel improvisiert?
Manchmal bin ich wie ein Maler vorgegangen und habe einfach auf meine
Umgebung reagiert. So bemerkte ich, dass das Wasser am Strand vor der
Klinik
immer 500 Meter am Tag zurückging bevor die Flut wieder kam. Es gab
da einen
Ponton, der dabei im steigenden Wasser verschwand und später wieder
auftauchte.
Da hatte ich eine Idee. Es gibt ein Foto davon, wie ich Mathieu Amalric
auf meinen
Schultern zu dem Ponton trage, auf dem er dann in seinem Rollstuhl sitzt.
Im
Wasser. Diese Einstellung stand nicht im Drehbuch. Auch nicht die Szene,
in der ein
Mann Mathieu im Swimmingpool auf den Armen trägt. Ich hatte einfach
nur den Pool
und ein Bild vor mir gesehen. Die Szene erinnert an eine Pietà.
Daniel, der Mann, der
Mathieu im Film hält, war übrigens Jean-Dos Therapeut.
Welchen Bezug haben Sie zu dem Buch?
Ich habe mich bei meiner Arbeit immer wieder am Buch orientiert. Ich liebte
das
wunderbare Bild von ihm, wenn er im Pool an die Decke sieht. Ich suchte
im Buch
nach einer Stelle, die dazu passte. Und ich wählte die Passage, wo
er über den
Schnellkochtopf philosophiert. Später kam seine Phantasie über
die Kaiserin
Eugénie dazu. Im Film habe ich das dann so inszeniert, dass sie
auftritt, ihn küsst als
ob er aufstehen könnte und dann, boom, ist er wieder in seinem Stuhl.
Und er sagt:
Wenn man aus dem Nebel des Komas hinausschwimmt, gibt es nicht den
Luxus,
dass deine Träume verfliegen... Mir fiel auf, dass man im Buch
irgendwann nicht
mehr erkennt, wo der Unterschied zwischen Traum und Realität lag.
Wenn man
krank ist, ist das so. Irgendwo im Buch sagt Jean-Do: Als ich gesund
war, war ich
gar nicht lebendig. Ich war nicht da. Es war recht oberflächlich.
Aber als ich
zurückkam, mit dem Blickwinkel des Schmetterlings, wurde mein wahres
Ich
wiedergeboren. Erst dann konnte er ein großartiger Schriftsteller
werden.
Würden Sie Jean-Dos Geschichte als das Leben eines Künstlers
bezeichnen?
Ja, auf jeden Fall, denn das Schreiben rettete ihn. Sein Innenleben wurde
lebendig,
weil er begann, das Buch zu schreiben. Es geht also um den Prozess, Kunst
zu
schaffen. Die Arbeit am Buch war seine Raison dêtre, es gab
ihm das Leben. Durch
das Buch empfand ihn auch seine Familie als lebendig. So konnten sie besser
mit
seinem Leid umgehen.
Die farbigen und verwischten Bilder, die Mischung aus Archivmaterial und
subjektiver Kamera sind das alles Techniken, die dem nahe kommen
wie Sie
als Maler arbeiten?
Als ich meinen letzten Film drehte, gefielen mir die Bilder am besten,
die ich auf dem
Monitor sah, wenn ich den Kameramann bat, seine Kamera herunterzunehmen.
Das
war der Look, den ich in SCHMETTERLING UND TAUCHERGLOCKE haben wollte.
Jean-Do beispielsweise fuhr kein Cabrio. Ich setzte ihn jedoch in ein
Cabrio, weil ich
Paris sehen wollte. Ich wollte die Bäume sehen. Und wir hatten den
Soundtrack von
Sie küssten und sie schlugen ihn (Les Quatre cents coups,
1959; Regie: François
Truffaut). Wenn man die Szene schwarzweiß sieht und sich die Gebäude
anguckt,
hat man das Gefühl, dass man die Credits von Sie küssten
und sie schlugen ihn
sieht, was mir gut gefällt. Dazu kommt, im Film kann sich der Held
nicht bewegen. Er
hat nur sein Auge. In einem Gespräch muss man sich ja nicht notwendigerweise
ansehen. Wenn er nicht hören will, was man zu ihm sagt, dann kann
er weggucken.
Dem habe ich dann wie in einem Bild entsprochen und mich entschieden,
die Köpfe
von Leuten abzuschneiden, wenn er sie nicht sehen kann. Eigentlich
konnte ich also
machen, was auch immer ich wollte. Das gab mir viel Freiheit.
Wie funktionierte die Zusammenarbeit mit dem Kameramann? Der Film
erforderte eine ungewöhnliche Optik.
Janusz Kaminski ist ein großartiger Kameramann, er ist sehr aufgeschlossen.
Ich
habe Leute um Dinge gebeten, die sie nie zuvor gemacht haben. Wenn ich
am
Anfang erzähle, was ich vorhabe, hält man mich meistens für
verrückt. Bei
SCHMETTERLING UND TAUCHERGLOCKE nahm ich beispielsweise meine Brille
ab und setzte sie der Kamera auf. Eine spezielle Behandlung des Bildes
war
notwendig, um Jean-Dos Innenleben zu visualisieren. Ich verwendete gekippte
Linsen zur Schärfendehnung, was dazu führt, dass ein Teil des
Bildes unscharf und
der Rest scharf ist. Ich machte den Film ganz so als hätte er eine
Textur, einen
Körper, als ob er Haut hätte. Die ganze Leinwand war die Haut
und so sehe ich das
auch beim Malen. Beim Drehen hatte ich das Gefühl: Ich mache den
Raum. Ich
mache die Farbe. Ich verlieh den Raum durch kurze Brennweiten eine Wölbung,
und
setzte ein fluoreszierendes Licht in die Ecke. Weil manche Menschen in
die Welt
sehen können und andere nur in die Ecke ihres Zimmers. Man kann übrigens
die
ganze Welt in der Ecke eines Zimmers finden. Oder in sich selbst.
Und die anderen Schauspieler? Wie haben sie neben Mathieu Amalric die
anderen Schauspieler, alles Franzosen, gecastet?
Ich liebe Emmanuelle Seigner in Bitter Moon. Für mich
gab sie damals die beste
schauspielerische Leistung des Jahres und ich habe sie immer als unterschätze
Schauspielerin gesehen. Ich liebe Marie-Josée Croze in Invasion
der Barbaren (Les
invasions barbares, 2003) und ich finde sie auch in München
(Munich, 2005)
grandios. Ich sah Niels Arestrup in Der wilde Schlag meines Herzens
und dachte:
Er muss in meinem Film sein! So ging es mir auch mit Patrick
Chesnais und Anne
Consigny, die ich in Man muss mich nicht lieben (Je ne suis
pas là pour être aimé,
2005) gesehen hatte. Auch sie wollte ich unbedingt für diesen Film.
Als ich Marina
Hands kennenlernte, fand ich sie bezaubernd und wollte ihr gerne eine
Rolle geben,
die nicht ihrem Rollenklischee entsprach. Und ich hatte viel Glück,
Max von Sydow
zu bekommen, der einfach brillant in dem Film ist. Er spielt die Rolle
übrigens älter
als er wirklich ist. Jean-Pierre Cassel mit dabei zu haben war ein großes
Privileg für
mich. Ich liebte ihn einfach. Alle waren wahnsinnig nett und kooperativ,
und dabei
hatten sie eigentlich nur kleine Rollen. Manchmal hatte ich schon das
Gefühl, dass
ich ihnen eigentlich zu wenig anbieten konnte. Nicht genügend Zeit,
nicht genug
Raum im Film. Emma de Caunes, Anne Alvaro, Zinedine Soualem, sie waren
enorm
großzügig mir gegenüber. Und Georges, der Kellner aus
dem Maison du Caviar
spielt einen der France-Telecom-Angestellten.
Das Berck Maritime Hospital ist ein ungewöhnlicher Drehort. Sie sagten,
dass
Sie sich nicht hätten vorstellen können, irgendwo anders zu
drehen als an den
Schauplätzen der wahren Geschichte. Wie gefiel Ihnen die Arbeit in
Frankreich?
Die Dreharbeiten waren eine wunderbare Zeit für mich und die Franzosen
sind sehr
aufgeschlossen. Sowohl in Nordfrankreich in Berck, wie auch in Paris.
Ich liebe es im
Le Duc zu essen oder im Napolitano. Wir haben
sogar eine Szene im Le Duc
gedreht. Ich wollte einfach das beste Fischrestaurant in Paris finden.
Wie gesagt: Ich
versuchte, kein Tourist zu sein. Das Krankenhaus sieht übrigens aus
wie das Set von
einem Film von Antonioni und ich musste immer an seinen Film Die
mit der Liebe
spielen (LAvventura, 1960) denken. Mich hat dabei immer wieder
beschäftigt, wie
Jean-Do das wohl gesehen hat.
Das Schöne ist, dass ich heute 55 Jahre alt bin. Als ich vor Jahren
in Frankreich
lebte, war ich viel jünger und ich träumte von einer Ausstellung
in einer Pariser
Galerie. Ich wollte wichtige Leute kennen lernen. Diesmal wollte ich gar
nichts. Ich
kam zurück wie Rip van Winkle, als hätte ich 20 Jahre lang geschlafen
und würde
jetzt die Orte von früher besuchen. Ich fand alles wieder. Der Typ
im Restaurant
gegenüber war noch derselbe, einfach nur ein bisschen älter.
Alles war immer noch
an derselben Stelle und ich fühlte mich wie ein Geist. Allerdings
wie ein
willkommener Geist.
Auch in anderer Hinsicht waren die Dreharbeiten eine gute Erfahrung: Als
Maler trifft
man nämlich nicht täglich Menschen, mit denen man tiefe Beziehungen
aufbaut.
Gemeinsames Arbeiten wie die Vorbereitung oder das Drehen eines
Filmes - hat
jedoch diesen Effekt. Wahrscheinlich ist das einer der Gründe, warum
Leute so
gerne Filme machen.
Der Soundtrack spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Er korrespondiert
mit
Ihrem persönlichen Geschmack und gibt dem Film eine moderne Punk-
Konnotation.
Ich mag Bach und ich mag die Dirtbombs. In diesem Film gibt es Musik aus
Lolita
von Nelson Riddle, die Musik von Sie küssten und sie schlugen
ihn und Nino Rota,
von U2 und Tom Waits. Ich habe die ganze Zeit Toms letztes Album Orphans
gehört. Ich habe einfach ausgesucht, was mir gefällt und was
zur jeweiligen Szene
passte.
Der Vorspann ist aus Röntgenbildern komponiert. Was steckt dahinter?
Die Röntgenbilder zeigen, dass wir alle in unserem Körper feststecken.
Alle. Das ist
eine andere Ebene. Wir leben mit Dingen, über die wir nie nachdenken.
Und wir sind
alle Subjekte, wie Jean-Do, wir haben alle unsere Röntgenbilder.
Die im Vorspann
verwendeten kommen übrigens aus einem seit Jahren geschlossenen Gebäude,
das
einige hundert Meter vom Krankenhaus steht. Einst gehörte es einem
gewissen
Doctor Ménard. Es war das Geschenk eines reichen Mannes, dessen
Sohn Anfang
des 20. Jahrhunderts Patient in der Klinik war. Die Frau von Ménards
Enkel zeigte
mir das Haus. Als ich die staubigen Röntgenbilder sah, erinnerten
sie mich sofort an
Gemälde. Mir gefiel auch die Art, wie Buchstaben auf sie gestanzt
waren. Ich werde
auf jeden Fall weiter mit ihnen arbeiten.
Haben Sie eine Beziehung zur Spiritualität? Ich denke da besonders
an die
Szenen in Lourdes. Im Buch scheint Jean-Do an unzählige Götter
zu glauben,
Menschen aller Religionen dieser Welt beten für ihn, der ein Atheist
ist.
Mich interessieren organisierte Religionen nicht. Aber wenn es Leuten
hilft, ist mir
das egal. Ich wäre gern spiritueller. Ich würde gerne glauben.
Ich glaube an Gott, ich
glaube an meinen Vater. Ich glaube an mich selbst und meine eigenen Grenzen.
Ich
glaube an Güte. Ich glaube, dass wir mit Menschen besser umgehen
können und
sollten. Was aus diesem Film resultiert ist eine große Menge Mitgefühl.
Diesem
Mann wurde gezeigt, wie gut Menschen zueinander sein können. Das
gefällt mir. Ich
glaube, dass Menschen gut zueinander sein können und geduldig und
hingebungsvoll, so wie die Frauen um Jean-Do. Sie wollten ihm wirklich
helfen. Sie
nahmen ihre Tätigkeit ernst. Es ging nicht um sie selbst. Das gefällt
mir. Das ist
Spiritualität.
Stand:
26.03.2008
|